20-Euro-Silbermünze zum 225. Geburtstag von Annette von Droste-Hülshoff im Fürstenhäusle vorgestellt

Zum 225. Geburtstag der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff hat die baden-württembergische Finanzstaatssekretärin Gisela Splett eine 20-Euro-Sammlermünze zum 225. Geburtstag von Annette von Droste-Hülshoff im Fürstenhäusle in Meersburg am Bodensee  vorgestellt. Die Bundesregierung hatte beschlossen, zum Jubiläum eine Silbermünze prägen zu lassen und am 24. Februar 2022 herauszugeben.

Bis Sammlerinnen und Sammler die Münze in den Händen halten können, werden also noch wenige Wochen vergehen. Erste Exemplare der Münze durften dank Ausnahmegenehmigung des Bundes bereits vorab gezeigt werden. „Eine öffentliche Vorstellung der Münze vor ihrer Ausgabe ist eine Premiere für mich. Das Fürstenhäusle als letzter Lebensort von Annette von Droste-Hülshoff hätte dafür aber besser nicht passen können“, sagte Splett. Sie beeindrucke bei der Gestaltung der Münze, wie das aus dem Gedicht „Am Thurme“ flatternde Haar der Dichterin treffend dargestellt worden sei. Die Münzen können laut Münzrecht in Deutschland zum Bezahlen eingesetzt werden. „Das wird wohl eher selten der Fall sein“, sagte Splett.

Annette von Droste-Hülshoff ist eine der bekanntesten deutschen Dichterinnen des 19. Jahrhunderts. Geboren wurde sie am 12. Januar 1797 nahe Münster. Sie lebte von 1841 bis zu ihrem Tod 1848 in Meersburg. „Mehr als 60 Gedichte hat Droste-Hülshoff hier geschrieben. Das war die Basis für einen Gedichtband, der ihren heutigen Ruhm begründet. Immer wenn ich hier bin, kann ich nachvollziehen, dass Droste-Hülshoff selbst ihre Schaffenszeit am Bodensee als die glücklichste Zeit ihres Lebens bezeichnet hat“, sagte Splett.

 

 

Die Münze ist bei den Staatlichen Münzen Baden-Württemberg am Standort Karlsruhe produziert worden. „Die Dichterin fühlte sich bis zu ihrem Tod am Bodensee sehr wohl,

das Motiv ist von einer Stuttgarter Künstlerin und wir dürfen die Münze in Karlsruhe prägen – das passt perfekt zu Baden-Württemberg“, sagte Münzleiter Benjamin Hechler. Er erinnerte mit einem 20-Mark-Schein, der ab 1991 im Umlauf war, daran, dass die Dichterin schon Millionen Deutsche unzählige Male auf Bargeld in den Händen hatten.

Das Fürstenhäusle, in dem die Münze vorgestellt wurde, wird von den Staatlichen Schlössern Baden-Württemberg gehütet. Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Landeseinrichtung, betonte: „Das Fürstenhäusle blieb über Jahrhunderte erhalten – wahrscheinlich nur, weil im 19. Jahrhundert Annette von Droste-Hülshoff Gefallen an ihm fand. So wurde aus einem Gartenhaus ein literarischer Ort. Ihre Erben richteten den Lieblingsort von Droste-Hülshoff ein und bewahrten viele Familienstücke.“

Die Bildseite der Sammlermünze zeigt Annette von Droste-Hülshoff. Ihr vom Wind gelöstes Haar kann als Symbol gesehen werden für ihre Befreiung aus den engen Verhältnissen der Zeit. Der dargestellte Gesichtsausdruck zeigt Entschlossenheit und widerspricht den damals gängigen Erwartungen an Geschlecht und Stand. Im Hintergrund, angedeutet durch Vogelflug und Alpensilhouette, wird die große Naturverbundenheit der Autorin dargestellt.

 

Der Entwurf der Münze stammt von der Künstlerin Anna Auras aus Stuttgart. Sie betonte: „Die Münze und speziell das Portrait zu modellieren war eine große Herausforderung für mich. Droste-Hülshoff war eine Frau, die viele Widersprüche in sich vereinte und das wollte ich in meinem Entwurf widerspiegeln. Ich hatte auch gleich einen emotionalen Zugang, da ich selbst am Bodensee aufgewachsen bin und er für mich Heimat und Freiheit symbolisiert. Das Ausarbeiten des Portraits ist deshalb auch eine sehr persönliche Interpretation geworden.“

Die Münze besteht aus Sterlingsilber (Ag 925). Sie hat eine Masse von 18 g, einen Durchmesser von 32,5 mm und wird in den beiden Prägequalitäten Stempelglanz und Spiegelglanz hergestellt. Die Münzen in der Prägequalität Stempelglanz werden zum Nennwert (20 Euro) in den Verkehr gebracht. Die Ausgabe der Münzen in der Sammlerqualität Spiegelglanz erfolgt zu einem über dem Nennwert liegenden Verkaufspreis und ist bei der Münze Deutschland (www.muenze-deutschland.de) zu beziehen.

 

 

Weitere Informationen

Bei den Staatlichen Münzen Baden-Württemberg werden etwa 40 Prozent der deutschen Umlauf- und Sammlermünzen hergestellt. Münzprägestätten befinden sich in Stuttgart und Karlsruhe. Derzeit sind im Landesbetrieb rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, davon rund 20 in Karlsruhe.

Das Fürstenhäusle in Meersburg ist eines von 62 Monumenten, das die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg betreuen. 2019 besuchten rund 4 Mio. Menschen diese Originalschauplätze mit Kulturschätzen von höchstem Rang: darunter Schloss Heidelberg, Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, das Residenzschloss Ludwigsburg, Schloss und Schlossgarten Weikersheim, Weltkulturerbe Kloster Maulbronn, Kloster und Schloss Salem sowie die Festungsruine Hohentwiel.

Das Fürstenhäusle in Meersburg

Charmantes Biedermeier, liebevoll bewahrt – so präsentiert sich das Haus, das der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff vor 175 Jahren gehörte. Was die Schriftstellerin damals begeisterte, ist unverändert erhalten: die Weinreben, der Garten und der atemberaubende Ausblick.

Hoch über der Oberstadt von Meersburg gelegen, mit Blickkontakt zum Neuen Schloss, steht das Fürstenhäusle. Ein Hügel mit Weinreben: So sah es hier oberhalb des Weinbergs schon aus, als das Haus erbaut wurde. Errichtet wurde es um 1600 für den Domherren Jakob Fugger, der kurz darauf zum Fürstbischof ernannt wurde. Daher stammt auch der Name, unter dem das Gartenhaus weithin bekannt wurde. Die Fürstbischöfe nutzten das Gartenhaus bis Anfang des 19. Jahrhunderts, als die weltliche Residenz in Meersburg aufgehoben wurde.

Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848) wurde im November 1843 stolze Grundbesitzerin. Sie selbst beschreibt das Gebäude als „hübsches, massiv gebautes und bewohnbares Gartenhaus“. Das zweistöckige Haus steht auf einem Sockel, sodass einige Stufen zum Eingang emporführen. Es ist ein schlichter Bau, ganz ohne repräsentative Absicht errichtet. Das Wesentliche war die Lage mit seinem hinreißenden Panorama.

Im Erdgeschoss gab es zur Zeit der Droste das „Paradezimmer“ und eine Küche. Die Dichterin beschreibt in einem Brief das Paradezimmer „mit einem Erker, in dem der Kanapee mit Tisch und einigen Stühlen hinlänglich Raum haben… man sitzt dort wie in einem Glaskasten, ein Fenster im Rücken und zwey zu den Seiten“. Von der Küche aus führte eine schlichte Holzstiege nach oben. Das zentrale Zimmer im Obergeschoss bezeichnete die Dichterin als Schwalbennest. Daneben lagen ihr Schlafzimmer und ein Raum für die Kammerjungfer.

Ganz erstaunlich, wie viele persönliche Gegenstände der Dichterin sich im Fürstenhäusle angesammelt haben. Das reicht vom Kinderschaukelstuhl bis zu einer Haarlocke der Annette von Droste-Hülshoff! An den Wänden hängen Scherenschnitte, die die Dichterin mit viel Liebe selbst gefertigt hat. Die Bilder erinnern auch an ihre freundschaftliche Verbundenheit mit den Brüdern Grimm.

Zu den Sammlungen des Fürstenhäusles zählen Erstausgaben ihrer Werke, aber auch zeitgenössische Ausgaben anderer berühmter Autoren wie z.B. Goethe. Hinzu kommen Zeitschriften, in denen damals die Werke der Droste-Hülshoff veröffentlicht wurden. Etwa „Das Morgenblatt für den gebildeten Leser“. In dieser berühmten Zeitschrift aus dem Cotta-Verlag in Stuttgart erschien 1842 „Die Judenbuche“ in Fortsetzungen. Außerdem finden sich Erstausgaben von ihr selbst und von dem Freund und engen Vertrauten der Droste, Levin Schücking, sowie Scherenschnitte von ihr selbst und Adele Schopenhauer.